FSV-Gespräche

Freitag 30.08.13, FSV Frankfurt – Greuther Fürth 1:1
(Namen im Text geändert.)

Der Soziologe nimmt seinen Platz ein, schärft das Auge für Fans und Spielgeschehen, spitzt die Ohren und lauscht den Gesprächen. In diversen Stadien im Walde vernimmt er Diskurse über die aktuellsten Geldanlagen, die Selbstfindungsreise nach Neuseeland oder die neusten Produkte aus Zuffenhausen. Dies alles in einem sehr dezenten, kaum wahrnehmbaren, hessischen, für den Ortsfremden leicht zu entschlüsselnden Dialekt.

FSV-Totale 02eigene Aufnahme – 2013

Anders beim FSV Frankfurt. Hier muss sich der Zuhörer anstrengen. Aber der Aufwand, das breiteste Bornheimer Gartenhanghessisch zu übersetzen, lohnt sich. Erfährt er doch einiges über die aktuelle Mannschaftsleistung (»K*** kann nicht ahn Ball stoppe!«), dass früher manches besser war (»Klaus, beim heutige Fußball riskiiiiere die Spieler viel wenicher, als früher.«), die Ursachen dafür (»Erwin, dran sind aber auch die Trainer schuld, die die Mannschaft zur Vorsicht erziehe und lieber Eins-null halte, statt munter drauf los zu spiele«), dass weniger gekämpft wird. (»Erwin, die kämpfe net mehr!«), dass erfolgreicher Fußball ohne Investitionsmittel nicht machbar ist (»Klaus, du wirscht sehe, die Braunschweeger werde wie die Fürther wieder absteige«) und weitere fußballspezifische Erkenntnisse, welche für hochdeutsche Ohren leider nicht mehr so einfach zu entschlüsseln waren.

Aber nicht nur Fußballfachwissen ist so in Erfahrung zu bringen, sondern auch, wo es den besten Limburger Käse gibt (»Der Siggi hat letztens auf dem Markt ahn Käs gekauft. Ahn echten Limburger.« »Den Blauen?« / »Naa, den Roten. Der war klasse.«), dass dort jedoch der »Schinke« nichts ist und dass am Sonntag die Jutta mal wieder »grieh Sooß« macht und Klaus herzlich eingeladen ist und wiederrum vieles mehr, was auch mit größter Mühe nicht zu übersetzen war. Wahrscheinlich drehte es sich um den traditionellen Fußball, das Geschehen am Bornheimer Hang oder andere Dinge, welche einen waschechten hessischen Uhreinwohner halt so beschäftigen.

Besucher, die noch nie beim FSV waren, sind schnell der Meinung, dass es wie auf dem heimischen Dorfsportplatz zugeht. Dies mag vielleicht stimmen, nur gibt es da keinen Bundesligafußball zu sehen.

Lars H.

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2 Antworten zu FSV-Gespräche

  1. Pingback: Fr. 30.8.13 – Boss Helmut – der einzig wahre Stadionbericht | Frankfurter Fussballstudien

  2. Schoppe sepp schreibt:

    Des is widder ma rischtisch schee geschribbe… Weider so!

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